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Victor Hugo: Gesellschaftskritik aus Frankreich

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Nach Nines Reise war mir, Yoki, mal wieder nach einem Klassiker und Finlay nach guten Filmen. Hier kam mir einer der größten französischen Autoren in den Sinn, dessen Romane weltweit vor allem durch Verfilmungen bekannt sind: Victor Hugo.

Ein unsteter Geist des 19. Jahrhunderts

In der Biografie Victor Hugo: « Et s’il n’en reste qu’un… » zeichnet Sophie Grossiord das Leben eines Mannes nach, der viel in seinem Leben reisen musste – hauptsächlich aufgrund seiner politischen Überzeugungen und Handlungen. Die Politik spielt in seinen Werken meist eine gewichtige Rolle. Besonders in einem seinem berühmtesten Romane, zu dem wir gleich kommen werden. Spannung… 😉 Hugo, der von 1802 bis 1885 lebte, ist jedoch auch für seine Lyrik und Dramen bekannt. Nine belegte während ihres Auslandsjahres an der Université de Nantes ein Seminar über Lucrèce Borgia und eine französische Studienfreundin schrieb Nine ihr Lieblingsgedicht von Victor Hugo, Demain, dès l’aube, ab. Nine hat es noch heute und sagt: „Encore une fois, merci beaucoup.“

Victor Hugos Meisterwerk: Les Misérables

Der Roman Les Misérables (deutscher Titel: Die Elenden) ist vielschichtig durch seine Gesellschaftskritik, die politischen Ereignisse, in die der Leser mit den Hauptfiguren förmlich hineingerissen wird, und nicht zuletzt wegen der großen Gefühle. Im Mittelpunkt steht Jean Valjean, der vor Hunger gestohlen hat und deshalb seine Strafe ableisten muss. Als er freikommt, verändert eine Begegnung mit einem Geistlichen sein Leben. Von nun an gibt er sein Bestes, ein guter Mensch zu sein, doch seine Vergangenheit holt ihn unwiderruflich ein.

Wie kann diese Geschichte zwei Bände füllen? Die spätere Begegnung von Jeans Ziehtochter Cosette mit dem jungen Marius führt zu weiteren Verwicklungen in politisch unruhigen Zeiten. Am Ende des Buches weinte Nine, da bisher kein Film dieses kraftvolle Finale so darstellen konnte wie Victor Hugo selbst.

Ob mit Musik oder nicht: Gelungene Verfilmungen

Les Misérables wurde mehrfach auf die Leinwand gebracht, aber zwei sind Nines Favoriten. Zunächst eine relativ freie Adaption von 1998 mit Liam Neeson in der Hauptrolle. Claire Danes als Cosette sticht ebenfalls heraus. Unter der Regie von Bille August spielt besonders Geoffrey Rush Valjeans Widersacher Javert mit vielen Facetten. Hans Matheson, der Marius verkörpert, stand mit Eddie Redmayne übrigens in Tess of the D’Urbervilles vor der Kamera.

Eddie Redmayne stellte Marius in der Musicalverfilmung Les Misérables von 2012 dar. Fulminant fanden wir diese Variante des Musicals von Regisseur Tom Hooper, bei der auch Hugh Jackman und Anne Hathaway mitwirkten. Letztere wurde für ihre schauspielerische Leistung mit dem Academy Award ausgezeichnet. Am meisten überrascht der Live-Gesang des Ensembles direkt am Set.

Notre-Dame de Paris: Historisches Epos mit Längen

Notre-Dame de Paris ist unter dem deutschen Titel Der Glöckner von Notre-Dame bei vielen durch die Adaption von Disney (Originaltitel: The Hunchback of Notre Dame) bekannt. Kaum zu glauben bei diesem grausamen Roman, der im Mittelalter angesiedelt ist und viele Längen hat, bis er auf sein trauriges Ende zusteuert. Gary Trousdale und Kirk Wise inszenierten für Disney einen etwas düsteren Film, allerdings im Vergleich zur Vorlage relativ kindgerecht und harmlos. Weitere, vielleicht gelungenere Verfilmungen wollen wir drei uns erst einmal nicht ansehen, das Buch hat uns gereicht.

Trotzdem ist Victor Hugo – wie Dickens oder Tolstoi – ein Autor des 19. Jahrhunderts, dessen Werke es zu lesen lohnt. Diese Schriftsteller schaffen es mühelos, den Leser für die politischen und gesellschaftlichen Missstände zu sensibilisieren und gleichzeitig Liebesgeschichten einzuflechten. Und wem die Bücher zu lang sind, kann sich wie Finlay visuell auf die Abenteuer einlassen, die so schnell nicht vergessen werden.

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