You are currently viewing <i>Moments of Musical in Paris</i>: Interview mit Vera Haberkorn

Moments of Musical in Paris: Interview mit Vera Haberkorn

  • Beitrags-Autor:
  • Beitrags-Kategorie:Kultur-Reihe
  • Beitrags-Kommentare:0 Kommentare
  • Lesedauer:7 min Lesezeit

Vera Haberkorn kenne ich wie Roswitha Giesen, Sigune Schnabel und Lisa Weißbach seit dem Studium. Direkt im ersten Semester sahen wir Mitstudierenden sie auf der Bühne als Elisabeth. Mit ihren langen braunen Haaren passte sie perfekt in die Rolle der Sisi. 😉 Seit Jahren tritt sie mit dem Ruhrmusical e. V. in verschiedenen Produktionen auf.

Dieses Wochenende steht Moments of Musical in Paris auf dem Plan und ich freue mich sehr, dass bei Vera nach wie vor „zwei Herzen“ in der Brust schlagen: für Musicals und für Literatur.

„Musik ist mein ständiger Begleiter“

Liebe Vera, vielen Dank, dass du die Zeit gefunden hast, einige Fragen zu beantworten. Seit wann bist du musikalisch aktiv?

Vera Haberkorn: Vielen Dank, dass du mich für ein Interview ausgesucht hast! Musikalisch aktiv bin ich wahrscheinlich seit der musikalischen Früherziehung in der Grundschule. Später war ich dann im Unterstufenchor und trat in meinem ersten Musical im Alter von zwölf Jahren auf.

Welche Rolle spielt Musik für dich im Alltag?

Vera Haberkorn: Musik ist mein ständiger Begleiter. Aktuell meist in Form von Kinderliedern, die ich mit meinen Kindern singe.

Hast du Lieblingskünstler, Lieblingskomponisten? Wenn ja, was gefällt dir an ihnen besonders gut?

Vera Haberkorn: Momentan höre ich sehr gerne Stephen Sondheim und „Into the Woods“ ist eines meiner Lieblingsstücke von ihm. Am Broadway läuft noch das Revival von Sweeney Todd, das entdecke ich gerade wieder für mich. Und im Theater Solingen ist zurzeit zu ausgewählten Terminen Das Lächeln einer Sommernacht (US-amerikanischer Originaltitel A Little Night Music) zu sehen. Das Zusammenspiel von Text und Musik in Sondheims Stücken ist großartig. Ansonsten höre und singe ich momentan gerne Musik von Stephen Flaherty und Anaïs Mitchell. Im Alltag sind Songs von Ava Max und die Lieder von Max Raabe meine Gute-Laune-Garanten.

Durch meine Kinder erfahre ich gerade sehr bewusst, wie prägend Musik bereits im frühen Kindesalter ist, und ich freue mich darüber, Rolf Zuckowski, den Helden meiner Kindheit, mit ihnen wiederzuentdecken und auch neue Kinderlieder kennenzulernen. Die Liedzeile „Ich bin der Ritter Dando und ich lass mir gerne Zeit“ von Eddi und Dän amüsiert mich immer wieder.

Was war das berührendste Stück, das du selbst bisher gesungen hast?

Vera Haberkorn: Das kommt immer sehr auf die eigene Stimmung an, welchen Zugang man als Sänger zu einem Lied hat und wie sehr man sich auf einen Song oder ein Stück einlassen kann und will. „Meadowlark“ von Stephen Schwartz aus The Baker‘s Wife gehört für mich seit Jahren zu den emotionalsten Songs, die ich bisher auf einer Bühne singen durfte. Jahrelang habe ich um das Lied einen großen Bogen gemacht, weil ich Sorge hatte, dem Song und meinem eigenen Anspruch daran nicht gerecht zu werden. Dann schlugen Freunde es mir für ein Programm vor und ich dachte mir „Jetzt probier ich‘s“.

Musicals

Was fasziniert dich an Musicals? Ist es die Mischung aus Schauspiel, Tanz und Gesang?

Vera Haberkorn: Definitiv ist diese Kombination ausschlaggebend. Außerdem ist Musical vielfältig und abwechslungsreich.

Welche der drei Disziplinen – Schauspiel, Tanz und Gesang – fordert dich am meisten?

Vera Haberkorn: Alle drei fordern mich auf ihre Art. Gesang war mein persönlicher Schlüssel zum Musiktheater und wahrscheinlich die Disziplin, in der ich mich lange Zeit am meisten zu Hause gefühlt habe.

Und welche reizt dich am meisten? 😊

Vera Haberkorn: Jede hat natürlich ihren ganz eigenen Reiz. Schauspiel fasziniert mich seit ein paar Jahren besonders, weil ich das Gefühl habe, dort mehr und mehr angekommen zu sein.

Literatur und Übersetzen

Du hast ja unter anderem mit mir Literaturübersetzen studiert. Kannst du beides, das Übersetzen und Musicals, miteinander verbinden?

Vera Haberkorn: Auch fremdsprachige Musicals wollen vom Publikum verstanden werden. Die Verbindung ist also durchaus gegeben und ich habe mich einige Male an Musicalübersetzungen ins Deutsche versucht. Es ist für mich eine extrem vereinnahmende Tätigkeit, für die ich mich nicht zu geplanten Zeiten an den Schreibtisch setzen kann. Die Texte haben mich immer und überall begleitet, sie waren immer präsent, sogar im Schlaf und ich habe überall permanent Notizen, Noten und Schreibmaterial um mich gesammelt und mit mir herumgetragen. In der Zeit meiner Musicalübersetzungen habe ich fast ausschließlich dafür gelebt und gearbeitet. Das muss man wollen.

Dafür ist das Erlebnis unbeschreiblich, den Text mit Orchesterbegleitung von einem Ensemble gesungen zu hören.

Welche Musicals hast du denn übersetzt?

Vera Haberkorn: Marie et les étoiles ins Deutsche (Marie und die Sterne), Frankenstein – A New Musical (Frankenstein) und Austen‘s Pride & Prejudice (Stolz und Vorurteil – das Musical).

Was fasziniert dich an Literatur besonders?

Vera Haberkorn: Definitiv zu viel, um in einer knappen Antwort nicht in Plattitüden zu verfallen. Viele meiner schönsten Erinnerungen verbinde ich mit Literatur.

Hast du einen Lieblingsautor?

Vera Haberkorn: „Den einen“ gibt es für mich nicht. Bei Camus, Goethe, Pullman und Voltaire fühle ich mich meistens zu Hause.

Wenn du dich noch mal entscheiden könntest, würdest du wieder Literaturübersetzen studieren?

Vera Haberkorn: Ich denke ja, auch wenn meine Erwartungen heute andere wären.

Auftritte mit RuhrMusical e. V.

Welches Programm von RuhrMusical e. V. hat dir in all den Jahren am besten gefallen?

Vera Haberkorn: Das Musical Frankenstein war auf jeden Fall eins meiner Lieblinge, das Gala-Programm The Greatest Show mochte ich auch sehr. Moments of Musical in Paris steht aber ebenfalls sehr hoch im Kurs.

Wer darf beim RuhrMusical e. V. mitmachen?

Vera Haberkorn: Grundsätzlich jeder Mensch, der Freude am Musical und am Mitwirken an einem Bühnenprojekt hat! Und es braucht natürlich nicht nur Darsteller*innen auf der Bühne, sondern ebenso talentierte Leute in der Technik oder bei der Requisite.

Worauf können sich die Zuschauerinnen und Zuschauer bei Moments of Musical in Paris freuen?

Vera Haberkorn: Auf einen unterhaltsamen Kurztrip nach Paris mit vielen tollen Musicalausschnitten, die alle in Paris spielen! Es ist ein sehr kurzweiliges Programm und ich hoffe, es macht den Zuschauern genauso viel Spaß wie uns.

Haustiere

Welche Rolle spielen Tiere in deinem Leben? Hattest oder hast du Haustiere?

Vera Haberkorn: Leider habe ich kein Haustier mehr, war aber schon als Baby meistens von Wellensittichen und später den Rennmäusen meiner Schwester umgeben. Ich hatte für einige Monate mal einen Pflegekater, der die Liebe für Katzen bei mir geweckt hat.

Eine letzte Frage: In anderen Ländern sind ab und zu Katzen bei klassischen Konzerten zu sehen, die sich Zutritt verschaffen und das Publikum aufheitern. Was hältst du von tierischen Begleitern bei Konzerten?

Vera Haberkorn: Ich finde die Vorstellung sehr charmant, dass Tiere als Zuhörer dabei sind. Wahrscheinlich eignet sich nicht jede Konzertform dafür, aber wenn es den Tieren nicht schadet oder sie verängstigt, ist es schön, sie nicht auszuschließen.

Vielen Dank noch einmal für deine Zeit und viel Erfolg weiterhin in beiden Welten. Ich freue mich darauf, bei einem der Auftritte am Wochenende live dabei sein zu können. 😊

Schreibe einen Kommentar