Tom Hanks, Dorothy Parker, Annie Proulx: Kurzgeschichten aus den USA

Tom Hanks, Dorothy Parker, Annie Proulx: Kurzgeschichten aus den USA

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Yoki schläft, also wünsche ich, Finlay, euch noch einen guten Start ins neue Jahr. Wir legen mit Kurzgeschichten aus den USA los, denn ihr hattet hier und in den sozialen Netzwerken abgestimmt, dass wir Tom Hanks’ Uncommon Type als Nächstes lesen. Gesagt, getan.

Der Schauspieler mit dem Hang zu Schreibmaschinen: Tom Hanks

Tom Hanks veröffentlichte 2017 Uncommon Type, seinen ersten Band mit Kurzgeschichten, die alle eines gemeinsam haben: Schreibmaschinen. Jede Erzählung beginnt mit einem Foto von einem alten Modell und dieses spielt dann darin auch eine Rolle. Manchmal wird das Gerät lediglich in einem Nebensatz erwähnt, manchmal dreht sich alles darum.

So wie in These Are the Meditations of My Heart. Darin findet eine junge Frau mit Liebeskummer auf dem Flohmarkt einer Kirche eine alte Schreibmaschine, die nicht mehr richtig funktioniert. Sie will sie reparieren lassen, doch der Inhaber des Geschäfts schüttelt angesichts des „Spielzeugs“, wie er es nennt, mitleidig den Kopf. Anhand seines Bestandes zeigt er ihr, dass mit einer Schreibmaschine ein Lebensgefühl verknüpft ist, das sie bloß mit dem passenden Modell bekommt. Daraufhin bietet er ihr das entsprechende, jedoch teure Modell günstiger an, allerdings nur unter der Bedingung, dass sie es langfristig benutzt. Deshalb erhält die Schreibmaschine einen besonderen Platz und die junge Frau verarbeitet mit ihr ihren Trennungsschmerz.

Die meisten Geschichten sind mitreißend geschrieben, da sie sich auf ihre Hauptfiguren konzentrieren. Sei es der Typ, der sich auf eine Beziehung einlässt, die ihn erstickt, ein Junge, der beim Surfen Wahrheiten über seinen Vater erfährt, oder die frisch geschiedene Mutter, die ihre Vorurteile ihrem neuen Nachbarn gegenüber ablegt. Jede hätte das Zeug dazu, verfilmt zu werden. Tom Hanks und seine Erfahrung im Filmgeschäft werden am deutlichsten, wenn eine der Geschichten komplett als Drehbuch daherkommt. Viel Abwechslung, wenig Langeweile: Uncommon Type war ein tolles Geschenk für Nine.

Dorothy Parker: Kurzgeschichten mit viel Biss

Tom Hanks spielte leider nicht in dem Film Mrs. Parker und ihr lasterhafter Kreis (Originaltitel: Mrs. Parker and the Vicious Circle) mit, den Nine in den 1990er Jahren sah und so von Dorothy Parker (1893–1967) zum ersten Mal hörte. Mit ihren Kurzgeschichten kam Nine dann während ihres Studiums wieder in Berührung und war vom bissigen Humor Parkers so begeistert, dass sie die Complete Stories regelrecht verschlang. Die beste ist für sie nach wie vor The Waltz, in der eine Frau zum Tanz aufgefordert wird und sich innerlich über ihren Tanzpartner aufregt, nach außen hin jedoch den Schein wahrt. Die Geschichten sind inzwischen fast ein Jahrhundert alt und selbst heute noch machen sich Menschen gerne über andere lustig, nur nicht immer so stilvoll wie Dorothy Parker.

Annie Proulx: Brokeback Mountain und moderne Cowboys

2005 verfilmte Ang Lee Brokeback Mountain, die inzwischen berühmteste Kurzgeschichte von Annie Proulx, mit Heath Ledger und Jake Gyllenhaal in den Hauptrollen:

Die Erzählung von den Schafhirten Ennis del Mar und Jack Twist, die am Brokeback Mountain erst Freunde und dann ein Liebespaar werden, berührt wegen ihrer Tragik, die der Zeit und den gesellschaftlichen Umständen geschuldet ist. In den 1960er Jahren war an ein Outing nicht zu denken. Wenn es sich doch ein Paar traute, schreckten Nachbarn nicht vor Lynchmord zurück. Unter diesen Umständen traut sich Ennis del Mar nicht, zu seinen Gefühlen zu stehen. Das Zitat am Ende ist sehr berührend: „Wenn man’s nicht ändern kann, muß man’s aushalten.“, denn es zeigt den ganzen Schmerz auf, den Ennis verspürt.

Nine ging der Film sehr nah, weil auch sie Freunde hat, die sich bis heute aus Angst vor den Folgen nicht offiziell geoutet haben. Ist es nicht furchtbar, wenn jemand sein Leben nicht so leben darf, wie er oder sie es gerne wollte? Somit ist Annie Proulx’ Kurzgeschichte immer noch sehr aktuell, die im Band Weit draußen. Geschichten aus Wyoming erschien und im Rahmen des Films im Diana Verlag neu aufgelegt wurde. Leider sind die anderen Geschichten ebenfalls nichts für zarte Gemüter und deshalb nur bedingt empfehlenswert. Eins wird aber unmissverständlich klar, dass es keine Cowboy-Romantik – wie in vielen früheren Westernfilmen dargestellt – gibt.

Am Freitag in zwei Wochen meldet sich Nine zurück und bis dahin strecke ich mich erst mal auf dem Bürostuhl aus, den Nine von ihrer Mutter zu Weihnachten übernehmen durfte. Er ist sehr bequem, sodass Yoki und ich von dort aus gerne neue Empfehlungen für euch planen. 😊

Kater Finlay auf dem Bürostuhl

Damit ein schönes Wochenende und bis bald.

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