Phasen der Liebe: Die Before-Trilogie

Phasen der Liebe: Die Before-Trilogie

  • Beitrags-Autor:
  • Beitrags-Kategorie:Blog
  • Beitrags-Kommentare:0 Kommentare
  • Lesedauer:5 min Lesezeit

Dieses Mal gibt es gleich drei Filme auf einmal. 1995 kam Before Sunrise in die Kinos, auf den mit Before Sunset und Before Midnight zwei Fortsetzungen folgten. Wir, Yoki und Finlay, haben sie mit Nine geschaut und stellen euch die Before-Trilogie der Reihe nach vor.

Es begann in Wien: Before Sunrise

Jesse, ein US-Amerikaner auf Rundreise durch Europa, und Céline, eine Französin auf dem Rückweg nach Paris aus Budapest vom Besuch ihrer Großmutter kommend, treffen sich im Zug. Sie – gespielt von Ethan Hawke und Julie Delpy – sind beide 23 in diesem Sommer 1994. Er spricht sie an und die beiden unterhalten sich im Speisewagen. Smalltalk ist nicht angesagt, sie gehen direkt in die Tiefe. In Wien will Jesse den Rückflug in die USA antreten und hat noch Aufenthalt bis zum nächsten Morgen. Deshalb fragt er Céline spontan, ob sie mit ihm aussteigt und sie sich gemeinsam die Stadt anschauen. Céline zögert kurz, doch sie lässt sich auf das Abenteuer ein.

Zusammen spazieren sie durch Wien und tauchen in das Leben vor Ort ein. Jesse und Céline erkunden den Prater, einen Park, einen Friedhof und verschiedene Plätze der Stadt. Auf ihrem Streifzug treffen sie Einheimische wie eine Wahrsagerin und einen Hobbydichter, die ihnen und dem Zuschauer klarmachen, dass Liebe erst durch Selbstliebe möglich ist.

Eine besonders schöne Szene ist die im Plattenladen, in der das einzige „neuere“ Lied Come Here von Kath Bloom die gegenseitige Anziehung der beiden Protagonisten unterstreicht. Ansonsten kommt der Film ohne übertriebenen Soundtrack aus, was die zusammen verbrachte Zeit realistischer erscheinen lässt.

Am nächsten Morgen steigt Céline in den Zug und Jesse fährt zum Flughafen. Sie beschließen, dass sie sich an gleicher Stelle in sechs Monaten wiedersehen wollen. Um den Zauber ihrer Begegnung nicht zu zerstören, tauschen Jesse und Céline keine Kontaktdaten aus. Damit endet der Film.

Wiedersehen in Paris: Before Sunset

Aus sechs Monaten werden neun Jahre. Jesse hat einen Bestsellerroman über die Begegnung mit Céline in Wien geschrieben und 2003 ist die letzte Station seiner Lesetour Paris. Hier passt ihn Céline, die davon erfahren hat, am Ende der Lesung ab. Ihnen bleibt nur wenig Zeit, um all die unausgesprochenen Fragen zu klären. Sind die romantischen Gefühle von damals noch da? Gehören sie nicht vielleicht doch zusammen? Gibt es eine zweite Chance? Jesse ist inzwischen verheiratet und hat einen vierjährigen Sohn. Céline ist ebenfalls gebunden.

In diesem Film gibt es noch weniger, dafür umso beeindruckendere Musik, denn am Ende singt Céline ihm eines ihrer selbstgeschriebenen Lieder vor. Während sie anschließend zu Nina Simone tanzt, sieht es so aus, als ob Jesse seinen Rückflug in die USA verpassen könnte.

Entscheidung in Griechenland: Before Midnight

Und wieder sind neun Jahre vergangen, bis wir erneut auf Céline und Jesse treffen. Sie sind im Urlaub in Griechenland, bei dem auch Jesses inzwischen dreizehnjähriger Sohn Hank eine Zeitlang dabei war. Mit Hanks Rückflug zu seiner Mutter beginnt der Film und es wird deutlich, dass der geschiedene Jesse es vermasselt hat, für ihn da zu sein. Céline und er haben die letzten sieben Jahre in Paris gelebt und Zwillingstöchter bekommen. Verheiratet sind sie aber nicht. Auf der Rückfahrt vom Flughafen zur Unterkunft kommt es zu einer der ersten langen Gesprächsszenen zwischen den beiden, die nur möglich ist, weil die Mädchen auf der Rückbank schlafen. Der Zuschauer bemerkt die Anspannung zwischen Jesse und Céline. Es muss zwischen ihnen öfter Streit gegeben haben, denn der Alltag hat sie fest im Griff.

Ein Abend nur zu zweit setzt die beiden zusätzlich unter Druck. Céline denkt über einen Jobwechsel in Paris nach und Jesse möchte in die USA zurück, um seinem Sohn nahe zu sein und ein besseres Verhältnis zu ihm aufzubauen. Es kommt zum Streit und schnell wird klar, dass diese Auseinandersetzung über ihre Zukunft tiefer geht. Vorwürfe geben sich die Hand und am Ende stehen sie vor der Entscheidung, ob sie sich trennen sollen oder nicht.

Der dritte Teil ist wesentlich realistischer und tiefergehender. Während die ersten beiden Filme den Beginn ihrer Romanze als Thema haben, wird hier gezeigt, wie dieses Paar sich im Alltag voneinander distanziert und nur schwer oder eben gar nicht mehr zueinanderfindet.

Die Before-Trilogie als Geschichte einer Liebe

Jesse und Céline sind zwei starke Charaktere, die sich mit jedem Film weiterentwickeln, so wie alle Menschen es nun einmal tun. Zu Beginn hoffen alle auf ein Wiedersehen, dann auf eine gemeinsame Zukunft und am Ende auf ein Zusammenbleiben. Der Regisseur Richard Linklater weist mit langen Sequenzen darauf hin, wie verbunden die beiden – trotz aller Differenzen – miteinander sind. Dass eine Beziehung sich verändert, ist normal, kommt aber sonst kaum in dieser Intensität in Filmen vor.

Was uns als Katzen am besten gefallen hat, sind die von Linklater „Maskottchen“ genannten Tiere in allen drei Filmen: Kaninchen im ersten, eine Katze im zweiten und Ziegen im dritten. Und Célines Liebe zu Katzen finden wir natürlich super.

Nicht zu vergessen jedoch ist die zentrale Botschaft der Before-Trilogie: Jeder Schritt hat Konsequenzen und Bereuen gehört dazu. Ähnlich wie bei Die Brücken am Fluss und den Verfilmungen der Romane von Thomas Hardy. Wichtig ist, dass wir hinter unseren Entscheidungen stehen. Nur dann können alle gemeinsamen Wege als Eltern und Partner auch in dieselbe Richtung führen. Amen. 😊

Schreibe einen Kommentar