<i>Grüezi, Moin, Servus!</i> – Dialekte für alle

Grüezi, Moin, Servus! – Dialekte für alle

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Wie schon letzte Woche ist es zu heiß für tiefschürfende Literaturanalysen, deshalb stelle ich euch dieses Mal etwas zum Thema Sprache vor, während Yoki vor dem Ventilator liegt und Finlay auf dem Laminatboden. Im Studium ging es neben der Übersetzungspraxis auch um Literatur- und Sprachwissenschaft. Die Linguistik beschäftigt sich u. a. mit Dialekten und da ich aus Brandenburg komme und dann ins Rheinland gezogen bin, interessieren mich die Unterschiede bei den Ausdrücken.

Wie wir wo sprechen

2018 erschien Grüezi, Moin, Servus! von Adrian Leemann, Stephan Elspaß, Robert Möller und Timo Grossenbacher bei Rowohlt. Die Autoren unterteilen die von ihnen untersuchten Ausdrücke in Kategorien: Speisen und Gerichte, Zeiten und Termine, Dinge für die Tasche, die eigenen vier Wände, Beschäftigungen und kleine Wörter. Von Fleischklößen, die in meiner Heimat Bulette genannt werden, im Rheinland aber eher Frikadelle, bis zum Endstück vom Brot werden die Begriffe erklärt und deren Verbreitung mit farbigen Karten aufbereitet. So ist schnell ersichtlich, wo sich die breite Mehrheit einig ist oder vielleicht je nach Region unterschiedliche Artikel verwendet werden.

Anfänge des Projekts Grüezi, Moin, Servus!

Die Wissenschaftler entwickelten vor einigen Jahren ein Quiz, das in Zusammenarbeit mit dem SPIEGEL und dem Schweizer Tagesanzeiger entstand und derzeit leider nicht verfügbar ist. Aus den Daten der Teilnehmer kristallisierten sich Tendenzen heraus, wie die Sprecher einer Region etwas nennen oder aussprechen. Ich hatte nach der Lektüre des Buches den Eindruck, dass die Trefferquote bei mir selbst sehr hoch ist.

Das größte Potential für Diskussionen hat bis heute die Zeitangabe „Viertel nach/viertel“ und „Viertel vor/dreiviertel“. Wer nicht mit viertel drei und dreiviertel drei aufgewachsen ist, kommt dabei manchmal ins Stolpern. Oft muss ich erklären, dass viertel drei dann Viertel nach zwei und dreiviertel drei Viertel vor drei ist. Entgegen einiger Vorurteile ist das aber keine ostdeutsche Zeitangabe, sondern auch im Süden Deutschlands und in Österreich gebräuchlich.

Hör mal, wo der spricht!

Das Institut für deutsche Sprache bietet auf seiner Website ein kostenloses Spiel an, mit dem TeilnehmerInnen testen können, wie gut sie darin sind, Dialekte einzuordnen. Nicht nur für Sprachnerds ein spannender Zeitvertreib. Gerade Nuancen wie zwischen Düsseldorf und Köln oder Dresden und Leipzig sind nicht so leicht zu erkennen. Viel Spaß beim Hören und Raten! 😊

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