Eine echte Überraschung: <i>Coming Home</i>

Eine echte Überraschung: Coming Home

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Rosamunde Pilcher? Im Ernst? Ja! Eine Freundin brachte mir vor Jahren von einer Reise ins englische Cornwall den Roman Coming Home (deutscher Titel: Heimkehr) von Rosamunde Pilcher mit. Ehrlich gesagt war ich wenig begeistert und voller Vorurteile, denn als Kind verbrachte ich einige Sonntagabende mit schlechten Verfilmungen von Rosamunde Pilchers Kurzgeschichten bei meinen Großeltern. Außerdem ist dieser Roman unerwartet lang, sodass ich mich erst nach einer Weile dazu aufraffen konnte, dem Buch eine Chance zu geben.

Erster Eindruck: Zu welchem Genre gehört Coming Home?

Die Geschichte beginnt mit einem jungen Mädchen als Hauptfigur in den 1930er Jahren. Judith Dunbar kommt ins Internat in Cornwall, während ihre Mutter mit der kleinen Schwester zum Vater nach Singapur zurückkehrt, wo dieser geschäftlich zu tun hat. Judiths Tante ist die nächste Verwandte in der Nähe, doch Judith hat kaum Zeit, sich einsam zu fühlen. Schnell freundet sie sich mit Loveday Carey-Lewis an, die sie auch direkt zu ihrer Familie nach Nancherrow einlädt.

Hier lernt Judith Lovedays Bruder Edward kennen und natürlich verliebt sich der Teenager in den Jungen, aber es kommt anders als gedacht. Ein Freund ihrer Tante belästigt Judith und sie besucht Nancherrrow erst wieder, nachdem ihre Tante tödlich verunglückt ist. Die Themen sind für einen vorhersehbaren Liebesroman zu ernst und die Geschichte ist alles andere als seicht.

Rosamunde Pilchers Entwicklungsroman

Judith schließt die Schule ab und die erste Verliebtheit in Edward verfliegt. Der Zweite Weltkrieg bricht aus und damit ändert sich alles. Judith sucht nach ihrer Familie, die immer noch in Singapur ist. Für die Zeit ist die Protagonistin sehr selbstständig und es geht nicht primär um eine Liebesgeschichte, sondern um ihre Lebensgeschichte.

Angelehnt an Rosamunde Pilchers eigene Biographie steht eine starke Frau im Mittelpunkt, mit der man bis zum Ende mitfiebert und sich sogar einen zweiten Teil wünscht.

Verfilmung mit hochkarätigen Schauspielern

Nicht das ZDF, sondern das britische Fernsehen verfilmte den Roman 1998 mit Peter O’Toole und Paul Bettany. Außerdem spielte Keira Knightley in einer ihrer ersten Rollen die junge Judith. In knapp drei Stunden gelingt es den Machern, die komplexe Struktur zu kürzen und trotzdem Nebenschauplätze einzubeziehen. Die wunderschöne Landschaft Südwestenglands wird wie bei den Adaptionen von Thomas Hardys Romanen gebührend in Szene gesetzt.

Sowohl die Verfilmung als auch der Roman haben mich völlig überrascht. Das Buch möchte ich tatsächlich noch einmal lesen, weil ich durch Rosamunde Pilchers Schreibstil völlig von den Geschehnissen mitgerissen wurde. Für mich ist Coming Home eines der besten Beispiele, sich nie von Vorurteilen leiten zu lassen. Ging es euch auch schon so? Von welchem Buch oder Film wart ihr entgegen eurer Erwartungen völlig begeistert? Ich bin gespannt auf eure Kommentare.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Saskia

    Toller Blogbeitrag! Ich hätte dieses Vorurteil sicher auch gehabt und mich ebenfalls erst einmal nicht an das Buch herangetraut. Ähnlich erging es mir bei „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky. Die Kritiken waren durchaus durchwachsen und die ersten Seiten muteten komisch an, aber danach hat mich vor allem der besondere Sprachstil sehr eingenommen.
    Insgesamt kenne ich es aber auch nur zu gut andersherum: Da freut man sich auf ein neues Buch einer Autorin/eines Autors, deren/dessen Werke man sonst gerne liest, und wird enttäuscht.

    1. Nine

      Hallo Saskia,
      das kenne ich nur zu gut durch Outlander, denn dort freue ich mich auch immer auf das nächste Buch, bin aber inzwischen eher verhalten angesichts der Länge. 😉 Oder ein Klappentext verspricht zu viel des Guten.
      Vielen Dank für den Tipp. 🙂

  2. Lisa

    Kein Buch, kein Film, und “völlig begeistert” wäre wohl übertrieben. Aber ein Youtube-Kanal, der sich doch als interessanter herausgestellt hat als erwartet! Es geht um Kostüme – zum einen rezensiert die Youtuberin die historische Genauigkeit von Hollywood- und anderen Kostümen, zum anderen entwirft und näht sie auch selbst aufwändige historische Kostüme. Das ist ein Thema, mit dem ich ansonsten überhaupt keine Berührungspunkte habe, und angeklickt habe ich eins ihrer Videos in der Seitenleiste eines Tages wohl eher zum ungezielten Zeitvertreib. Aber dann fand ich es doch ansprechend aufgemacht. Sie scheint eine beeindruckende Menge Hintergrundwissen zu dem Thema zu haben. Außerdem ist mir ihr leicht “snarky” Ton sympathisch, wenn sie historisch verkehrte Kostüme verreißt und dabei dennoch (gelegentlich mit Mühe) die Contenance bewahrt. Nicht zuletzt gelingt es ihr irgendwie, über ein audiovisuelles Medium die haptische Qualität von Kleidung zu vermitteln. Ich bin dann wider Erwarten doch eine Weile hängen geblieben.

    Habe ich jetzt alle ihre Videos angeschaut oder mich stundenlang mit ihr auseinandergesetzt? Nein.
    Werde ich von nun an jedes einzelne ihrer Videos anschauen? Vermutlich nicht – mein Herzensthema ist es noch immer nicht.
    Habe ich dank ihrer Videos verstanden, was einen an Kostümen interessieren kann, sofern es einen denn interessiert? Ja.
    Werde ich bei Gelegenheit mal wieder in ihren Kanal reinschauen? Mit Sicherheit – sie geht voll und ganz in dem Thema auf, und das schafft sie ansprechend zu vermitteln.

    Ach so, für alle, die es auch interessiert – oder auch nicht so sehr 😉 – die Youtuberin heißt Bernadette Banner.

    1. Nine

      Hallo Lisa,
      ja, Bernadettes Videos kenne und schätze ich auch, besonders ihren Humor, der sicher nicht für jeden etwas ist, aber ihre Expertise ist beeindruckend.
      Vielen Dank für den Tipp. 🙂

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